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Folgt aus „höherer Zufriedenheit“ auch „höhere Verbundenheit“?

Ergebnisse einer Studie aus dem öffentlichen Dienst belegen den Zusammenhang: Je zufriedener die Mitarbeitenden mit ihren beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten und ihrer Work-Life-Balance sind, desto höher ist in der Tendenz die Verbundenheit mit dem Arbeitgeber.

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Liebe Leserin, lieber Leser,

bereits in den Blogbeiträgen vom 2.6.2025 und 18.7.2024 habe ich Ihnen Erkenntnisse zur Personalbindung dargestellt. Das Problem der Bindung leistungsstarken Personals ist trotz der derzeitigen Personalfreistellung in Teilen der Privatwirtschaft (z. B. in der Automobilindustrie) im öffentlichen Sektor immer noch akut. Eine im März 2026 veröffentlichte Studie bietet dem Personalmanagement wichtige Anregungen. Daniel Felix Handermann und Theresa Thiel (2026) vom Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung gingen in ihrer Studie der Frage nach, ob die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden mit deren Verbundenheit mit dem Arbeitgeber zusammenhängt. Zudem haben sie untersucht, ob verschiedene Aspekte der Arbeitszufriedenheit unterschiedlich stark mit der Verbundenheit assoziiert sind.  

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Vorgehensweise der Studie

Handermann und Thiel (2026) haben zur Beantwortung der Forschungsfragen in einem deutschen Innenministerium eine Online-Befragung durchgeführt. An der Befragung beteiligten sich mit 203 Personen rund die Hälfte der Beschäftigten. Der Erhebungszeitraum wird im Forschungsbericht nicht benannt.

Zur Erhebung der Arbeitszufriedenheit und des organisationalen Commitments wurde ein bewährter Fragebogen verwendet und angepasst. Bei der Arbeitszufriedenheit wurde die Zufriedenheit mit …

  • den Teamkolleginnen und -kollegen,
  • der Führungskraft,
  • der Arbeitstätigkeit,
  • dem Arbeitsplatz,
  • den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten,
  • der Work-Life-Balance,
  • dem Arbeitstempo des Teams
  • und der Arbeitsatmosphäre

erfasst. Die acht Facetten der Arbeitszufriedenheit wurden zudem zu dem Index der „Gesamtzufriedenheit“ zusammengefasst. Die Verbundenheit mit dem Arbeitgeber / Dienstherrn wurde mit vier Items erfragt und zum Index „Gesamtbindung“ verdichtet (Handermann & Thiel, 2026, S. 5 – 6).

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Lesen Sie hier verschiedene Gastbeiträge zum Thema Personalmanagement im öffentlichen Dienst.

Ausgewählte Ergebnisse

Ein Studienergebnis ist, dass die Gesamtzufriedenheit und die Gesamtbindung positiv miteinander korreliert sind. D. h., je höher die Gesamtzufriedenheit ist, desto höher ist tendenziell auch die Gesamtbindung (und umgekehrt; siehe Abbildung 1).

Grafik Gesamtzufriedenheit

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Gesamtzufriedenheit und Gesamtbindung. Die einzelnen Punkte im Diagramm geben die Gesamtzufriedenheit und die Gesamtbindung einzelner Befragter wieder (n = 163; Grafik aus: Handermann & Thiel, 2026, S. 7).

Zwei Facetten der Zufriedenheit hängen nach den Ergebnissen einer Regressionsanalyse in besonderer Weise mit der Gesamtbindung zusammen: die Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance und die Zufriedenheit mit den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Bei diesen beiden Facetten zeigen sich statistisch signifikante Effektstärken auf die Gesamtbindung. Aus diesem Ergebnis kann geschlussfolgert werden, dass eine Steigerung der Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance und den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten zu einer höheren Verbundenheit führen sollte.

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Und die Fluktuation?

Offen bleibt bei der Studie, ob eine höhere Verbundenheit mit dem Arbeitgeber oder Dienstherren eine niedrigere Fluktuation zur Folge hat. Das haben Handermann und Thiel nicht untersucht, verweisen jedoch auf Studien, die einen Zusammenhang zwischen Zufriedenheit einerseits und Personalstabilität sowie Reduktion von Fehlzeiten andererseits darlegen.

Schlussfolgerungen für die Praxis des Personalmanagements

Erfreulich ist, dass nun für den öffentlichen Sektor aktuelle Erkenntnisse zum Thema „Zufriedenheit und Verbundenheit“ vorliegen. Ob sich Erkenntnisse aus einem Innenministerium auf alle Bereiche der Verwaltung übertragen lassen, ist allerdings fraglich. Zusätzliche deskriptive Angaben zu den einzelnen Facetten der Arbeitszufriedenheit wären im Bericht hilfreich, z. B. zur Beurteilung möglicher „Deckeneffekte“.

Für die Praxis des Personalmanagements ist wichtig: Es liegt nun eine Assoziationsstudie mit Bezug zum öffentlichen Sektor vor, deren Ergebnisse den Verdacht nähren, dass sich Investitionen in eine verbesserte Work-Life-Balance und in optimierte berufliche Entwicklungsmöglichkeiten durch eine höhere organisationale Verbundenheit und eine niedrigere Personalfluktuation amortisieren könnten.  Handermann und Thiel (2026, S. 13 – 18) erläutern Beispiele aus der Praxis, wie diese Investitionen erfolgen können.

Herzlichst
Andreas Gourmelon

Quelle

Handermann, D. F. & Thiel, T. (2026). Zwischen Zufriedenheit und Verbundenheit: Empirische Evidenz zur Bindung von Mitarbeitenden in der öffentlichen Verwaltung. Discussion Paper 97. Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung. https://www.foev-speyer.de/news-details/zwischen-zufriedenheit-und-verbundenheit/ (Abruf am 20.09.2026).

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