Der Behördenstammtisch: Freitagsdemos von Schülern und Lehrern

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Auch als pensionierter Beamter nehme ich ab und zu noch als Gast an einem Behördenstammtisch teil. Dabei werden neben persönlichen regelmäßig auch aktuelle Themen heiß und durchaus kontrovers diskutiert. Am Abend des 7.4.2019, ging es um die allseits bekannten „Freitagsdemos“ der Schüler und die Situation der Lehrer.

Liebe Leserin, lieber Leser,

an unserem Stammtisch ging es also diesmal um die „Freitagsdemos“ der Schüler, die stets während der Unterrichtszeiten stattfinden und an der auch Lehrer von Zeit zu Zeit teilnehmen. Da unser „Behördenstammtisch“ auch von Lehrern gerne und oft besucht wird, ergab sich ein durchaus interessantes Gespräch, dessen Inhalt ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.


Zunächst meinte Gymnasiallehrer Schulze, er als Lehrer mit den Hauptfächern Sport und Geschichte befürworte sehr, dass sich seine Schüler im Rahmen von Demonstrationen für den Klimawandel einsetzen würden und er habe auch schon zweimal daran teilgenommen.


Worauf ihm der pensionierte Hausmeister Pframminger entgegnete, dass die Schüler wohl nicht „für“ den Klimawandel, sondern „gegen“ diesen protestieren würden.


Gymnasiallehrer Schulze
meinte darauf, Pframminger sollte nicht so kleinlich sein, denn sogar er als ehemaliger Hausmeister wisse ja genau, wofür die Schüler streiken würden. Das sei doch nur eine Wortklauberei.


Verwaltungssekretär Huber
warf ein, es könne wohl auch nicht um einen „Streik“ gehen, denn streiken könne man ja nur für mehr Lohn oder bessere Arbeitsbedingungen. Das Bundesverfassungsgericht habe außerdem den Lehrerstreik verboten. Für ihn seien die Demos eine reine Schulschwänzerei von Schülern und Lehrern und sonst gar nichts.


Rektor i.R. Wimmer
stimmte dem zu und sagte, bei ihm hätte es so etwas früher niemals gegeben. Er hätte schon für Ordnung gesorgt, aber seine Nachfolgerin, Frau Rektorin Schmalzig, sei eben viel zu lasch.


Der leitende Regierungsdirektor König gab ihm und Huber recht und wies darauf hin, dass es schließlich eine Schulpflicht geben würde. Er sei als nebenamtlicher Dozent an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Bayern tätig und da habe er festgestellt, dass die Studierenden gerade bei der Rechtschreibung die allergrößten Probleme aufweisen würden.


Pframminger
warf ein, dass es sich bei der „Hochschule“ ja doch um nichts anderes handeln würde, als um die frühere „Beamtenfachhochschule“, der ja schon vor Jahren in Bayern jeder auch nur annähernde wissenschaftliche Charakter abgesprochen worden sei.


Grundschullehrerin Gruber
sprach sich jetzt mit Nachdruck für die Demonstrationen aus. Neben dem durchaus positiven Grundgedanken der Schüler hätten diese Demos den willkommenen Nebeneffekt, dass die völlig überforderten Lehrer in diesen Wochen einen zusätzlichen freien Tag erhalten würden, falls sie nicht selbst mitdemonstrieren würden.


Amtsrat Meier
meinte, das sei doch die Höhe! Was wollten denn die Lehrer noch alles? Sie hätten auch so jeden Nachmittag frei, während „normale“ Beamte 30 Tage Urlaub im Jahr einbringen können, hätten Lehrer Herbst-, Winter-, Faschings-, Oster-, Pfingst- und auch noch „große“ Ferien von insgesamt mindestens 18 Wochen, was rein rechnerisch einer Freistellung von ca. 80 Tagen entspricht!


Gymnasiallehrer Schulze
unterstützte wiederum Grubers Argumentation und wies darauf hin, dass sich ein Lehrer schließlich am Nachmittag zuhause intensiv auf den Unterricht des nächsten Tages vorzubereiten hätte, was einen enormen Aufwand bedeutete.


Pframminger
entgegnete, bei den Fächern Sport und Geschichte, die Schulze unterrichte, stelle sich für ihn doch die Frage, was man da nach 25 Jahren Lehrererfahrung noch vorbereiten müsse. Er fragte Gruber, welche Klasse sie zu betreuen habe.


Gruber
antwortete, ihr sei heuer die Leitung der zweiten Klasse übertragen worden. Das sei bekanntlich der schwierigste „Job“, den man als Lehrer überhaupt wahrzunehmen habe.


Huber
erinnerte jetzt daran, dass Schüler der zweiten Klasse wohl noch nicht einmal das richtige Verständnis für den Klimawandel aufbringen könnten – was Gruber vehement bestritt.


Gymnasiallehrer Schulze
meinte, der Lehrberuf sei eben so anstrengend und keiner hätte die Herren Huber und Meier davon abgehalten, eben auch den Lehrberuf zu ergreifen.


Grundschullehrerin Gruber
ergänzte, als Lehrerin sei sie beruflich daran gehindert, vormittags einzukaufen und da käme ihr der Freitag gerade recht, weil sie da endlich einmal Zeit für sich und ihre Besorgungen hätte.


Pframminger
warf jetzt ein, dass sich jeder auch noch so dumme Schüler mit Handys, Computerspielen und Sozialmedien bestens auskennen würde, dass die Schüler sich überwiegend von ihren Eltern jeden Tag mit dem Auto zur Schule bringen ließen und mit ihnen jedes Jahr mindestens einmal in den Urlaub fliegen würden.


„Wo bleibt denn da der Klimaschutz, für den dieses traurige Volk demonstriert?“

 

Das ist es, was ich von diesem Behördenstammtisch berichten will und man hätte sicher noch lange weiterdiskutieren können, wenn man nicht am nun folgenden Montag wieder seinem gewohnten und unterbezahlten Dienst in der Behörde nachgehen hätte müssen.



Ihr

Dr. Maximilian Baßlsperger

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1 Sowohl der Ort der Handlung, als auch die Namen der Protagonisten wurden schon aus den gerade in jüngster Zeit gestiegenen Anforderungen des Datenschutzrechts geändert.

 


 

Lesen Sie dazu auch den Beitrag mit dem Titel:

 

 

Der nächste Beitrag in dieser Reihe erscheint nach Ostern am 29.4.2019.

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1 Kommentar zu diesem Beitrag
kommentiert am 15.04.2019 um 12:06:
Für mich begehen die Lehrer, die an solchen "Demonstrationen" teilnehmen ganz klar ei8n Dienstvergehen, das disziplinarisch geahndet werden muss.
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