Shakespeare und der öffentliche Dienst – ein Weihnachtsgeschenk

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Der Prüfungsjahrgang 2017 des Fachbereichs Sozialverwaltung der „Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern“1 in Wasserburg am Inn hatte mich gebeten, das Schlusswort für seine Diplomierungszeitung zu schreiben. Ich möchte Ihnen meine Ausführungen dazu als kleines – vorgezogenes – Weihnachtsgeschenk präsentieren.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,


(Liebe Absolventen des Prüfungsjahrgangs 2017,)


das Motto zum Thema der Abschiedsveranstaltung  lautete:


„Kniet nieder ihr Narren, die Könige verlassen die Wasserburg!“


Nun gehe ich nicht davon aus, dass alle Leser der Diplomierungszeitung auf Anhieb wissen, woher das Zitat stammt. Nähere Kenntnis besitzt wohl nur, wer sich während seiner Schulzeit – also de facto gezwungenermaßen – mit Shakespeares „Hamlet“ auseinandersetzen musste. Nun, auch der Schreiber dieser Zeilen gesteht hiermit ein, dass es einer Internetrecherche bedurfte, um die literarische Herkunft des Mottos zu erkunden. Das Zitat lautet vollständig:


„Kniet nieder ihr Narren, die Könige verlassen den Hof! Nehmt die Untertanen mit, packt allen Schmuck ein und vergesst vor allem die Krone nicht, denn da, wo ihr jetzt hingeht, könnt ihr den ganzen Kram sicher gut gebrauchen im fernen Land der Zukunft.“


Nun stellt sich für den zu durchschnittlichem Denken fähigen Betrachter dieses Mottos natürlich zunächst die Frage:

 

  • Wer sind die Narren und wer die Könige?


Nun, die Beantwortung scheint zunächst völlig klar zu sein: Die Könige sind die Absolventen der diesjährigen Laufbahnprüfung und die Narren sind alle diejenigen, die „am Hof“ bleiben müssen – also wir, die Lehrer. Aber man sollte dazu wenigstens auch noch einige andere Sätze des größten englischen Schriftstellers aller Zeiten bedenken!


Da fallen dem Kenner der Situation im öffentlichen Dienst zunächst einmal die Worte

„Wir wissen wohl, was wir sind, aber nicht, was wir werden können.“ („Hamlet“, vierter Akt, fünfte Szene)


ein, denn aufgrund der Tatsache, dass aus dem letzten Prüfungsjahrgang des Fachbereichs alle (!) erfolgreichen Absolventen der Dienststelle Landshut der DRV Bayern Süd zu anderen Dienstherrn gewechselt sind, stellt sich doch auch die Frage, ob es richtig ist, Nachwuchsbeamte  nur in Nordbayern und in Schwaben in ein Beamtenverhältnis zu berufen oder ob es nicht im Sinne einer zukunftsorientierten Personalplanung sinnvoller wäre, auch in Südbayern die gegenwärtige Praxis zu überdenken und noch besser: zu ändern!2


Wenn Sie in Ihrer Behörde jetzt nach erfolgreicher Prüfung Ihren Mann oder – im Sinne eines auch im öffentlichen Dienst völlig übertriebenen Genderismus – "Ihre Frau“ stehen müssen, werden Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit des Öfteren an folgenden Satz  erinnert:


„Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt.“ („Hamlet“, erster Akt, fünfte Szene)


Und auf diejenigen, die dank göttlicher Fügung zu Beamten ernannt werden, passen in Hinblick auf ihre spätere Beförderungssituation zwei  Zitate besonders gut:

„Ein jedes Ding hat seine Zeit.“ (Komödie der Irrungen“, zweiter Akt, vierte Szene)

 und

Wie arm sind die, die nicht Geduld besitzen!“ (Othello“, zweiter Akt, dritte Szene)

Denn schließlich ist das Wams des Staates zwar verdammt eng, dafür aber auch wiederum recht warm (Otto Mayer) und für die finanzielle Situation im öffentlichen Dienst gilt seit jeher der Satz:

                   Arm und vergnügt ist reich und überreich.“ (Othello“, dritter Akt, dritte Szene)


Für die vielen unter Ihnen, die im Laufe Ihrer „Karriere“ dann erleben dürfen, dass in Zeiten der modularen Qualifizierung und des Assessment-Centers – gerade auch bei der Übertragung von Dienstposten, die für eine Beförderung notwendig sind (Art. 16 LlbG) – subjektiv gefärbte Entscheidungen den Ausschlag geben könnten, scheint der „Old englishman“ einen geradezu perfekten Spruch auf Lager zu haben:

                   „Etwas ist faul im Staate Dänemarks“ („Hamlet“, erster Akt, vierte Szene)

Bei den in Ministerien und anderen Behörden geführten Auswahlverfahren werden Sie feststellen, dass die Fähigkeit zu einer kurzzeitigen Blendung oftmals höher eingestuft wird, als objektiv  erbrachte Leistungen. Nur wenn Sie das tatsächlich bemängeln sollten, wird man Ihnen vielleicht antworten:

Denn an sich ist nichts weder gut noch schlimm; das Denken macht es erst dazu.“ („Hamlet“, zweiter Akt, zweite Szene)

Worauf Sie Ihren Personalverantwortlichen (wiederum mit Shakespeare) entgegnen könnten:

„Hohle Töpfe haben den lautesten Klang“
(„Heinrich V.“, vierter Akt, vierte Szene)


Aber denken Sie sich das bitte nur und sprechen Sie das ja niemals aus! Denn nach wie vor ist ein offenes Wort im öffentlichen Dienst in aller Regel nicht erwünscht und niemand wird Ihnen einmal bescheinigen:

                    „Gut gebrüllt, Löwe!“ (Ein Sommernachtstraum, fünfter Akt, erste Szene)

Zum Abschluss dieses – natürlich ausschließlich satirisch gemeinten – Schlusswortes möchte ich denjenigen Kollegen des PJ 2017, die jetzt nach bestandener Prüfung in den heiligen Stand der Ehe treten wollen – vielleicht auch nur, um sich den Familienzuschlag zu sichern – ein letztes Shakespearezitat mit auf den Weg geben:

Gut gehängt ist besser als schlecht verheiratet (Was Ihr wollt, erster Akt, fünfte Szene)

Ich möchte mich hiermit für die vergangenen Jahre, die wir zusammen in unserem herrlichen Wasserburg verbringen durften, aufs Herzlichste bedanken. Es war eine wirklich schöne Zeit –  für Könige und für die Narren!

(………………….)

 

Und für Sie, liebe Leserinnen und Leser, noch ein Zitat von Shakespeare:

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage: Ob's edler im Gemüt, die Pfeil’ und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden, oder sich waffnend gegen eine See von Plagen, im Widerstand zu enden („Hamlet, dritter Akt, erste Szene).

Nach nunmehr beinahe 400 Beiträgen in dieser Reihe verspreche ich Ihnen auch für das kommende Jahr, mich an die zweite Alternative zu halten und dort nicht mit Kritik zu sparen, wo diese aus meiner Sicht angebracht ist.

Frohe Weihnachten und ein glückliches, erfolgreiches und vor allem gesundes Neues Jahr wünscht Ihnen,


Ihr

Dr. Maximilian Baßlsperger

 


 

Lesen Sie dazu:

 

Der nächste Beitrag in dieser Reihe erscheint nach Weihnachten am 8. Januar 2018.

 

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