Golfschläger, das ideale Weihnachtsgeschenk für den Beamten

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Den vorliegenden „Weihnachtsblog“ will ich zum Anlass nehmen, der Frage nachzugehen, welche Freizeitbeschäftigung wohl die sinnvollste für einen Beamten ist und damit zugleich auch eine Anregung für ein Weihnachtsgeschenk geben. Gleich vorweg: Golf ist der (fast) ideale Beamtensport! Warum dies so ist, das sollen Ihnen die nun folgenden Ausführungen zeigen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

bei meinen Überlegungen zu einer sinnvollen Körperertüchtigung dienenden Freizeitbeschäftigung eines Beamten kamen anfangs gleich mehrere Sportarten in die engere Auswahl. Fußball und Skifahren schieden allerdings sofort aus, weil sich hier bekanntlich die mit Abstand meisten Sportverletzungen ereignen und der Beamte schon wegen seines Dienst- und Treueverhältnisses verpflichtet ist, seine Gesundheit nach Möglichkeit bestens zu erhalten und nicht zu gefährden. Obwohl viele Staatsdiener diesen beiden Hobbys nachgehen, können sie also nicht als „ideal“ eingestuft werden.

Wegen der zahlreichen körperlichen Angriffe auf Lehrer, Polizisten und Beamte in den Einwanderungs- und Steuerbehörden (lesen Sie dazu den Beitrag Schutzwesten für Steuerbeamte – Schusswaffen für Lehrer) drängten sich in der Konsequenz Selbstverteidigungsarten wie Judo, Karate oder „Dim Mak“ (eine alte chinesische Kampfkunst mit meist tödlichem Ausgang für den jeweiligen Gegner) geradezu auf. Da diese sportlichen Aktivitäten allerdings schon in der Erprobungsphase mit einem relativ hohen Eigenrisiko verbunden sind, kamen auch sie – trotz der sich hieraus zweifellos ergebenden tatsächlichen Vorteile für den Beamten und seine Verwaltung – nicht in Frage. Dies galt trotz der Vielzahl von körperlichen Attacken auf Amtsträger im Übrigen auch für jede Sportart, die nur mit Schusswaffen ausgeübt werden kann, wie etwa das Kleinkaliber-, Tontauben- oder das Bogenschießen, denn die Bewaffnung bei der Dienstausübung sollte doch in erster Linie der Polizei und dem Militär vorbehalten bleiben.

Wettkämpfe in Schach, Mikado, Mühle oder Halma können da schon eher gefahrlos ausgeübt werden, aber abgesehen davon, dass hierbei eine Steigerung der körpereigenen Abwehrkräfte kaum zu erwarten ist, musste es doch noch etwas Besseres geben…

Und da fiel es mir wie „Schuppen von den Augen“: Golf!

Golf ist schlichtweg die beste sportliche Beschäftigung für die Beamten und das hat gleich mehrere Gründe:

1. Gesunderhaltungspflicht

Der Beamte hat sich mit voller Hingabe seinem Beruf zu widmen (§ 34 BeamtStG) und dazu gehört nach dem Bundesverwaltungsgericht auch, dass er alles zu unternehmen hat, um seine Gesundheit zu erhalten und wenn möglich zu fördern (BVerwGE 63, 327). Mit dem Golfspiel kann er dieser Verpflichtung gleich in mehrfacher Hinsicht nachkommen.

Da Golf neben den oben erwähnten Betätigungen wie Schach, Mikado, Mühle oder Halma aber zu den wohl ungefährlichsten Sportarten überhaupt zählt, spricht insofern absolut nichts gegen die Ausübung, zumal diese Beschäftigung noch bis ins hohe Alter praktiziert werden kann und deshalb meist von älteren Personen im Renten- bzw. Pensionsalter ausgeübt wird.

Außerordentlich wichtig zur Vorbeugung gegen die besonders bei Beamten sehr häufig anzutreffenden psychischen Erkrankungen ist Folgendes: Gerade diejenigen Golfspieler, denen der ersehnte Erfolg in anderen sportlichen Disziplinen völlig versagt geblieben ist – weil sie es etwa beim Fußball nie über den Status eines Ersatzspielers gebracht haben oder beim Tennis mehr durch das Produzieren von Luftlöchern als durch eine elegante Rückhand auffielen – werden bei Golf in psychologischer Hinsicht vieles nachholen und bisher ungeahnte Glücksgefühle erfahren können. Beim Golf zählt nämlich weder Talent noch körperliche Fitness, sondern ausschließlich die häufige Praxis. Anders ausgedrückt: Wer viel spielt wird automatisch ein besserer und vielleicht sogar ein guter Golfer, was wiederum zu einer enormen Steigerung des Selbstwertgefühles beiträgt.

Für den Beamten und seinen Dienstherrn ist aber noch ein Weiteres besonders wichtig: Golf ist gesundheitsfördernd, obwohl oder gerade weil es mit keinerlei körperlicher Anstrengung verbunden ist. Golf ist bekanntlich nichts anderes als das angenehme Spazierengehen in einer eigens dafür in achtzehn Bahnen gepressten Natur, dafür aber mit gelegentlicher Ballberührung.

Und keiner/keine von Ihnen, verehrte Leser und Leserinnen, wird bestreiten, dass Wandern und Spazierengehen für Leib und Seele förderlich sind!

2. Fort- und Weiterbildung

Gerade weil sich der Beamte mit voller Hingabe seinem Beruf zu widmen hat (§ 34 BeamtStG), ist er zu einer ständigen Fort- und Weiterbildung verpflichtet. Dazu zählt bei einer immer mehr an der Globalisierung orientierten Verwaltungstätigkeit natürlich auch die Aneignung oder Verbesserung von Fremdsprachenkennnissen. Englisch steht da als „Weltsprache“ natürlich an allererster Stelle und wo könnte man sich in dieser Sprache besser fortbilden als gerade beim Golfspiel. Auch wer behauptet, dem Englischen einigermaßen mächtig zu sein, wird beim Golf vermutlich eines Besseren belehrt.

Begleiten wir also einfach einmal eine Gruppe von Golfspielern („flight“) auf ihrem Weg über den Platz („court“)…

Nach einer längeren Wartezeit darf der beste Spieler, also der mit dem niedrigsten „handicap“ (bisher besten Ergebnissen), den ersten „drive“ (= möglichst weiter Schlag) ausführen. Er steckt nun ein „tee“ (= kleines Stück Holz – mittlerweile zeitgemäß auch aus Plastik erhältlich) in den Boden und legt seinen Ball mit viel Gefühl auf dieses. Nun zieht er den „driver“ (= längster Schläger) aus einem mitgeführten „bag“ (= Sack). Diesen Sack schleppt er natürlich nicht stundenlang selbst mit sich herum. Er überlässt diese zumindest in südlichen Ländern doch mit etwas Mühe verbundene Tätigkeit vielmehr einem „caddy“ (= besonders geschulter, meist eingeborener Sackträger), der ihn von nun an auch bei der Auswahl seiner „clubs“ (= Schläger) bestens berät. In unseren Breiten benutzt er mangels eines solchen „caddys“ wenigstens einen „trolley“ (= Sackwagen). Diesen schiebt oder zieht ein Golfer natürlich ebenfalls nicht persönlich. Selbstfahrende, ferngesteuerte Elektrosackwagen sind hier sehr beliebt, aber noch viel beliebter ist gleich die Benutzung eines ebenfalls elektrisch betriebenen „Golfcarts“ (= Kleinautos), wobei allerdings der gesundheitliche Vorteil des Spazierengehens (siehe oben) auf ein Minimum reduziert wird. Dem Golfsport muss hier jedoch hoch angerechnet werden, dass er damit auch von Leuten betrieben werden kann, denen wegen ihrer enormen Bewegungsbeeinträchtigung oder ihrer Adipositas ansonsten bereits der Schwerbehindertenstatus zuerkannt wurde!

Laien des Golfspiels mögen diese das „bag“ betreffenden Fortbewegungserleichterungen zwar als völlig „unsportlich“ bezeichnen, nicht so der Golfspieler selbst, denn er benötigt seine ganze Energie für die in diesem „Sport“ unerlässliche Zielgenauigkeit. Also ist Konzentration von nun an also oberstes Gebot!

Warum es allerdings hierfür üblich ist, dass jeder Golfer beim „Ansprechen“ (= Zielen) gleichzeitig mit Schläger und Hinterteil kräftig hin- und her wedelt („waggelt“), ist nicht ersichtlich. Diese bei gestandenen Männern eher als lustig zu bezeichnende und allenfalls bei den ganz wenigen jüngeren Golferinnen anmutende Dauerbewegung ist in den Augen von uns Laien ohne jeglichen praktischen Nutzen und sie ist – wie der gesamte „Sport“ – allenfalls einer langjährigen englischen Tradition zuzuschreiben. Sollte das „Waggeln“ aber doch untrennbar mit der Konzentration des Golfspielers verbunden sein, dann sind Überlegungen, aus welchem Körperteil dieser seine Konzentration bezieht, nicht ganz unangebracht.

Nach dem „Waggeln“ schlägt so mancher Golfer auch bei einem noch so hohen „tee“ (siehe oben) fast immer ein gewaltiges Loch (= „divot“) in den Boden. Gleichwohl gilt es im Grunde nur, den Ball in einer möglichst großen Entfernung auf dem „fairway“ (= der Wiese) zu platzieren und keinesfalls mittels eines „Hooks“ (= Schlag nach links) oder eines „Slice“ (= Schlag nach rechts) im Gestrüpp („rough“) bzw. in einem künstlich mit Wasser gefüllten und speziell für das Golfspiel errichteten Hindernis zu landen. Anderenfalls riskiert man einen Strafschlaf (= „penalty stroke“). Da ist es sogar noch besser, wenn der Ball in einem halbhohen Gestrüpp („semirough“) landet. Und völlig unvorteilhaft ist ein Schlag, der „out of bounce“ (= im Wald) platziert wird. Eine ganze Reihe von Golfspielern wird es allerdings bestätigen können, dass sich solche Situationen mit großer Regelmäßigkeit wiederholen. Dafür erhält der Spieler dann die so ungeliebten Strafschläge, die sein „handicap“ (siehe oben) letztendlich negativ beeinflussen.

Nicht selten hört man von Golfern auch ein lautes Schreien des Wortes „fore!“ (= Achtung! Pass auf!). Dabei handelt es sich um einen Ausruf, den ein Golfspieler nach einem weniger geglückten Schlag tätigt, um Personen zu warnen, die sich eventuell in der Flugbahn seines  Balles befinden und deshalb Gefahr laufen, von diesem getroffen zu werden. Gefährlich wird das allerdings eher für den unbeteiligten Zuschauer, der die Eigenheiten dieses „Sports“ nicht kennt. Ihm helfen hier selbst die besten Englischkenntnisse nicht weiter, weil „fore“ – vom „normalen“ Englischen ins Deutsche übersetzt – nichts anderes bedeutet als „Vordergrund“. Eine von vielen Seltsamkeiten dieses „Sports“.

Ziel des Golfspieles ist es nun, mit einem der nächsten Schläge ein durch eine Fahne („flag“) gekennzeichnetes, kurzgemähtes Rasenstück („green“) anzuvisieren. Dazu verwendet man in aller Regel etwas kürzere Eisenschläger („wedges“, nicht zu verwechseln mit den „Potato-wedges“, die man evtl. von „Fastfood-Restaurants kennt). Man bedient sich dabei entweder eines halb kurzen Schlägers („pitchingwedge“) oder eines ganz besonders kurzen Schlägers („sandwedge“). Letzterer soll dazu dienen, den Ball aus einem von zahlreichen künstlich in die Landschaft gegrabenen und mit feinstem, speziell für Golfplätze angefertigtem Sand gefüllten Löchern („Bunkern“) herauszubugsieren.

Hat man nun endlich das „Green“ getroffen, so wird die Fahne („flag“) aus einem vom Gärtner („greenkeeper“) besonders rund geformten Loch („whole“) gezogen, denn es gilt jetzt mit möglichst wenig Anstupsen („putten“) den Ball in dieses zu befördern. Natürlich verwendet der Golfer hierzu wieder einen ganz speziellen Schläger, den „Putter“.

Am besten hat dann immer der Spieler abgeschnitten, der das Loch mit den insgesamt wenigsten Ballberührungen trifft. Und dann geht das Ganze wieder von vorne los – insgesamt achtzehn Mal (!), denn so viele Löcher muss man treffen, um dieses spannende Spiel zu beenden.

3. Ansehen des Berufsbeamtentums (Außenwirkung)

Das Verhalten des Beamten muss bekanntlich auch außerhalb des Dienstes der Achtung und dem Vertrauen gerecht werden, die sein Amt erfordern (§ 34 Satz 2 BeamtStG). Da stellt sich natürlich die Frage: Passen Golf und Berufsbeamtentum überhaupt zusammen?

Eine Golfrunde dauert im Durchschnitt ca. 4–5 Stunden. Diese lange Dauer dürfte im Übrigen für einen Beamten bei der üblichen Gleitzeitregelung wegen der Möglichkeit des Abbaus seiner immer zahlreichen Überstunden gerade im Sommer kein Hindernis darstellen. Außerdem bietet sich das Spiel auch während des bezahlten Erholungsurlaubs von in der Regel 30 Arbeitstagen – die oben erwähnten schwerbehinderten Beamtengolfer erhalten darüber hinaus sogar noch fünf Tage Zusatzurlaub mehr – sowie an den zahlreichen Wochenenden und gesetzlich geschützten Feiertagen an.

Allerdings sollte es der Beamte tunlichst vermeiden, seinem Hobby auch während der Dienstzeit zu frönen und es empfiehlt sich außerdem, während des Krankenstandes lieber an keinem Golfturnier teilzunehmen, dieses auch noch zu gewinnen und sich dann – wie im Falle eines bayerischen Regierungsdirektors tatsächlich geschehen – in einem Zeitungsartikel auf dem Siegerfoto abbilden zu lassen. Hier könnten sich doch vereinzelt negative Folgen für das Dienstverhältnis ergeben.1

4. Prüfungen sind unerlässlich

Vor den Erfolg haben aber auch beim Golf die Götter den Schweiß gesetzt. Die Golfregeln verlangen, dass jeder potenzielle Benutzer eines Golfplatzes am Anfang seiner Karriere eine Prüfung ablegen muss – die sogenannte „Platzfreigabe“. Dazu braucht es zunächst ein paar Trainerstunden beim clubeigenen „pro“ (= Golflehrer). Diese werden von „Golf-Vergleich.de“ im Durchschnitt mit mindestens ca. 65 Euro veranschlagt. Das mag zunächst als durchaus angemessen erscheinen, aber dabei handelt es sich natürlich nur um eine halbe Stunde unter Abrechnung des im Hochschulbereich üblichen „cum tempore“ (= Zuspätkommen des Lehrers). Ausnahmen bestätigen auch hier nur die Regel.

Wegen der Prüfung selbst braucht einem Beamten dann aber nicht bange zu sein. Beim praktischen Test werden ihm schier unendlich viele Fehlversuche gestattet und die theoretische Prüfung wird im „Multiple-Choice-Verfahren“ abgelegt, an das sich jeder Inhaber eines Führerscheins – und auch die Teilnehmer an der mittlerweile im Laufbahnrecht der Beamten praktizierten modularen Qualifizierung für besser bezahlte Ämter – mit Sicherheit erinnern werden.

Es gibt da aber noch einen wesentlichen Umstand, der den künftigen Golfspieler zusätzlich motivieren wird: Es ist bisher kein Fall bekannt, in welchem die Prüfung nicht mit Erfolg absolviert wurde. Dies hängt natürlich damit zusammen, dass kein Golfclub daran interessiert ist, eines potenziellen und damit zahlenden Mitglieds dadurch verlustig zu gehen, dass dieses bereits an der ersten Hürde scheitert. Die Prüfung bewältigt also zwar wirklich jeder, aber oft ist die Freude darüber dennoch so groß, dass man seine Facebook-Freunde etc. unverzüglich von seinem großen Erfolg – und damit über die neue Zugehörigkeit zu der besonders elitären Gruppe der Golfer – berichten wird!

5. Finanzielle Belastung (Besoldung)

Desweiteren ist festzustellen, dass Golf ein eher „teurer“ Sport ist, aber gleich vorweg: Es gibt gewisse „Tricks“, um die im Folgenden beschriebene finanzielle Belastung zu begrenzen. Siehe dazu dann das anschließende Kapitel.

Die Jahresbeiträge für einen Golfclub liegen nach den Berechnungen von „Golf-Vergleich.de“ bei 1.400 Euro im bundesdeutschen Durchschnitt und man muss ja bekanntlich Mitglied eines solchen Clubs sein, um überhaupt den Platz betreten zu dürfen. Fällig ist weiterhin eine Aufnahmegebühr in mindestens derselben, meist aber in doppelter Höhe. Will man dann aber auch noch auf einem anderen Platz als dem des eigenen Clubs seine Schläger schwingen, so kostet das zusätzlich im Schnitt 75 Euro pro Tag an „greenfee“ (= Tageskarte; wörtlich übersetzt: „Grüngebühr“). 

Für die Anschaffung der Schläger fallen nochmals mindestens etwa 1.500 Euro an, ein guter Driver (siehe oben) schlägt mit ca. 300 Euro zu Buche. Putter (siehe ebenfalls oben) und die beliebten „Fairway-Hölzer“ kosten extra. Die Preislisten sind dabei in allen Fällen nach oben völlig offen! Bälle, von denen man anfangs mindestens ca. 20 pro Runde benötigt (weil man mindestens 19 davon so platziert, dass sie nie mehr gefunden werden), kosten im Fachgeschäft regulär ab 4 Euro pro Stück, macht pro Tag und Runde nochmals 80 Euro. Schließlich will kein Golfer durch seine Kleidung negativ auffallen und damit fallen für ein einziges, einigermaßen angemessenes „Golf-Outfit“ nochmals gut und gerne 500 Euro an, usw. usw. …

Ja, verehrte Leserin und verehrter Leser, da stellt jetzt sich doch die durchaus berechtigte Frage: Kann sich das denn ein Beamter überhaupt alles leisten?

Die Antwort hierauf lautet natürlich: „Nein!“… – es sei denn, er hat reich geheiratet oder er gehört einem Bayerischen Staatsministerium an, weil er dort zu seinem Gehalt auch noch eine „fette“ Ministerialzulage von 12,5 Prozent seiner Bezüge erhält – übrigens eine Zulage, die es einzig und allein noch beim Freistaat Bayern gibt und die hier auch noch später die Ruhestandsbezüge erhöht!

Bemerkenswert ist hier aber noch Folgendes: Es finden auch immer mehr Klein- und Kleinstunternehmer/-innen) wie Kosmetikerinnen, Modeboutique-Betreiber/innen, Yoga- und Fitnesslehrer/-innen großen Gefallen am Golfspiel. Zwar steht dabei regelmäßig der „Hintergedanke im Vordergrund“, den einen oder anderen Geschäftsabschluss mit potenziellen Golfpartnern tätigen zu können. So werden auf einmal das „Permanent Make-up für die engagierte Golferin“ oder bisher völlig unbekannte „Golf-Fitness-Kurse“ angeboten – kaum, dass die Platzfreigabe (siehe oben 4.) erreicht wurde. Dahinter steht wohl die Überlegung, dass auf diese Weise zumindest der Jahresbeitrag wieder hereinkommen sollte. Und gegen solche neuen Geschäftsmodelle spricht ja auch gerade während der Corona-Pandemie wirklich nichts! Im Gegenteil: neue Geschäftsideen sind jetzt gefragt und sogar dringend notwendig! Deshalb bleibt es auch völlig unverständlich, warum einige sogenannte „Golffreund/e/innen“ dieses Geschäftsgebaren beim Prosecco an der Golfbar als „geradezu lächerlich“ bezeichnen – natürlich immer nur außer Hörweite des/der Betroffenen!

Solche Möglichkeiten, sein Einkommen zu steigern, besitzt ein Staatsdiener zwar nicht, aber die finanzielle Belastbarkeit dieser Kleinstunternehmer dürfte im Übrigen mit der eines durchschnittlichen Beamten durchaus vergleichbar sein und Gott sei Dank gibt es ja auch einige Tricks, um die finanzielle Belastung in Grenzen zu halten, wie im Folgenden gezeigt wird.

6. Insidertipps

Sowohl den Beamten als auch dem Kleinunternehmer kann in finanzieller Hinsicht  geholfen werden, denn es empfiehlt sich ein auf dem Golfplatz üblicher „Trick“: Schläger, Bälle und Kleidung sind bei fast jedem Golfclub im „Pro-Shop“ (= dem Golfclub angeschlossenes Ladengeschäft des Golflehrers) auch „second-hand“ (= gebraucht) zu erwerben. Gebrauchte Bälle werden von Kindern, welche diese im Wald („out of bounce“, siehe oben) gesammelt haben, außerdem häufig am Rand des Platzes für 50 Cent angeboten. Aber Vorsicht! Beamte und Kleinunternehmer dürfen sich beim Erwerb solch preisgünstiger Utensilien natürlich tunlichst nicht von den langjährigen Platzhirschen (und Platzhirschkühen) erwischen lassen, denn: „Ist der Ruf erst ruiniert…“

Da ist es sogar noch besser, die mittlerweile bei Aldi, Lidl oder Kaufland für ganz wenig Geld angebotene Golf-Neuware zu erwerben, denn bei den Discountern gibt es bekanntlich jetzt auch schon alles, was das Herz eines weniger betuchten Golfers begehrt!!!

Außerdem sollte der Beamte seinen koreanischen Kleinwagen auch besser am Ende des Parkplatzes und weit entfernt von den Maseratis, BWMs, Porsches und Jaguars der oben erwähnten Platzhirsche (und -kühe) abstellen.

Noch ein Tipp für die vielen „Adabeis“ um in ihrem Golfclub wirklich „dazuzugehören“: Nach dem Abschluss einer Runde verlangt die „Etikette“ (Verhaltensregel), mit seinem „flight“ (siehe oben) in dem stets vorhandenen und in der Regel immens überteuerten Golfrestaurant kräftig zu konsumieren. Dabei darf man bloß nicht dadurch negativ in Erscheinung treten, dass man es unterlässt, ungefragt eine Runde „Prosecco“ oder „Aperol Spritz“ auszugeben.

Keinesfalls ist es dem Beamten anzuraten, einen besonders gelungenen „Drive“ auszuüben und das Loch mit nur einem einzigen Schlag zu treffen („Whole in one“), denn dann muss er traditionsgemäß alle an diesem Tag im Golfrestaurant anwesenden Spieler freihalten und es droht ihm ein enormer finanzieller Verlust. Da ist es besser einen „Birdie“ (= einen Schlag besser als normal = „par“), oder einen „Eagle“ (= zwei Schläge besser als normal) oder sogar einen „Albatros“ (= drei Schläge besser als normal) zu spielen.

Warum im „Golfsport“ oftmals auf Begriffe aus dem Tierreich zurückgegriffen wird, das bleibt wohl selbst dem erfahrensten Golfer verborgen und ist nur mit der bereits erwähnten englischen Tradition zu erklären. Noch ein Beispiel: Der Golfer bezeichnet etwa ein schief verlaufendes „fairway“ (= schiefe Wiese, siehe oben) unverständlicherweise als „dogleg“ (= Hundebein).

7. Weitere Vorteile des Golfspiels

Entschließt sich der Beamte also unter Überwindung aller finanziellen Hindernisse dazu, einem Golfclub als aktives Mitglied beizutreten, dann ergeben sich hieraus gleich mehrere Vorteile:

a) Der Dienstherr des Beamten kann damit werben, dass sich sogar Staatsdiener mittlerweile einen solchen Exklusivsport leisten können.

b) Der Präsident des Golfclubs wird in der Öffentlichkeit gerne darauf hinweisen, dass es sich bei Golf entgegen der landläufigen Meinung ja doch um einen „Breitensport“ handelt und er wird gerade den Beamten als bestes Beispiel dafür anführen können.

Umgekehrt spielt es keine Rolle, dass der Beamte sein Geld selbst und ehrlich verdient hat, während es unter den Platzhirschen (und -kühen) schon immer mehrere gegeben haben soll, die als Rechtsanwälte bzw. Steuer-, Finanz- und Vermögensberater wegen Unterschlagung von Mandantengeldern oder wegen Steuerhinterziehung bzw. als Auto- oder Immobilienhändler wegen Betrugs rechtskräftig verurteilt worden sind. Ein solches Vergehen schadet dem Ansehen eines Golfers bekanntlich in keiner Weise, denn er hat seine Strafe ja schließlich verbüßt. Geld regiert die Welt und wie der Fall „Uli Hoeneß“ – selbstverständlich auch ein Golfer – zeigt, braucht sich ein Straftäter heute noch nicht einmal zu schämen, wenn er zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Im Gegenteil: Man steigert durch eine rechtskräftige Verurteilung in den Augen der Öffentlichkeit – und insbesondere auf einem Golfplatz – sein Prestige sogar noch immens!2

Warum man aber gerade auf den Golfplätzen besonders viele Bankrotteure und im Konkurs befindliche Unternehmer antrifft, das ist zum einen auf die von diesem Personenkreis gewonnene Freizeit und zum anderen auf die Eigenheiten des deutschen Insolvenzrechts zurückzuführen.

8. Wahrheitstreue

Wenn der Beamte den „Golfsport“ ausübt, so tut er dies mit vollem persönlichem Einsatz (§ 34 Satz 1 BeamtStG). Er ist außerdem stets zur uneingeschränkten Wahrheit verpflichtet. Jede beim Golfspiel vorgeschriebene „Etikette“ (= Verhaltensregel) ist ihm heilig. Niemals würde es ihm deshalb in den Sinn kommen, einen seiner Schläge nicht mitzuzählen um dadurch am Ende einen besseren „score“ (= Endergebnis) zu erzielen! Niemals würde er seine „Scorekarte“ (meist selbst auszufüllende Ergebnisliste) fälschen und nie würde es ihm einfallen, einen zweiten Ball in seiner Hosentasche mitzuführen, nur um diesen heimlich zu platzieren, wenn er den vorher von ihm geschlagenen Ball nicht mehr findet. Er würde sich auf diese unredliche Weise zwar zwei „Strafschläge“ ersparen und am Schluss ein besseres „Handicap“ erreichen, aber das widerspräche seinem Berufsethos als Beamter zutiefst! Er ist schließlich auch außerhalb des Dienstes voll und ganz zur Wahrheit verpflichtet.

Sollte der Beamte dagegen andere Mitspieler seines „flights“ (siehe oben) bei einem solchen unseriösen Tun ertappen, so wird er darüber kraft der ihm obliegenden Verschwiegenheitspflicht (§ 37 BeamtStG) kein weiteres Wort verlieren. Letztendlich wird ihm gerade diese hochgeschätzte Verschwiegenheit bei den vielen Clubmitgliedern, die sich nicht so genau an die Regeln halten, sogar zu einem besonders beliebten, weil schweigsamen „Flightpartner“ machen!

Wegen der ihm obliegenden Wahrheitspflicht sollte sich ein Beamter aber allerdings auch keinesfalls um einen Posten im Vorstand eines Golfclubs bemühen, denn diese mit einem Maximum an Renommee verbundenen Positionen berechtigen zwar zum kostenlosen Spiel, sie sind aber schon deshalb ausschließlich den bereits mehrfach erwähnten Platzhirschen (und -kühen) vorbehalten!

9. Golf auch für Beamtinnen?

Letztendlich stellt sich nur noch die Frage, ob Golf auch für Beamtinnen eine geeignete Freizeitbeschäftigung darstellt. Diese Frage kann allerdings nur mit einem sehr eingeschränkten „Ja“ beantwortet werden. Für weibliche Beamte, die sich dem „Genderismus“ verschrieben haben – die also eine vermeintliche Schlechterstellung der Frau in unserer Gesellschaft bekämpfen und eine Gleichstellung der Geschlechter in allen Lebensbereichen erstreiten wollen – ist das Golfspiel eher wenig bis gar nicht geeignet.

Als man sich nach viel Überlegen und nur deshalb, weil auch weibliche Mitglieder die stets willkommenen Clubbeiträge entrichten müssen, dazu entschloss, Damen das Golfspiel zu gestatten, wollte man sich von Anfang an besonders „gentlemanlike“ (frauenfreundlich) verhalten. Man gestattete es deshalb, dass weibliche Mitglieder das Spiel in einem wesentlich kürzeren Abstand zur „flag“ (siehe oben), dem sogenannten „Damenabschlag“ beginnen dürfen. Diese die Golferinnen ganz wesentlich begünstigende Vorgehensweise ist mittlerweile nicht nur weltweilt etabliert, es widerspräche der unumstößlichen „Etikette“ zutiefst, würde man gendergerecht hiervon nur aus Gründen der Gleichberechtigung von Mann und Frau abweichen.

Wer also als Beamtin etwa schon auf jede auch nur mögliche Gleichstellung in der Sprache achtet, wer aus diesem Grund etwa auch nicht mehr die Worte „Vaterland“ oder „Muttersprache“ verwenden will, wer statt von „dem Schläger“ lieber von einem „Spielgerät“ spricht, wird konsequenterweise auch auf das Golfspiel verzichten müssen. Eine solche auf dem weiblichen Stolz der „Genderin“ basierende Ablehnung ließe sich außerdem mit der langen Tradition des „Sports“ begründen, der für Jahrzehnte ausschließlich von Männern betrieben wurde. Noch heutzutage findet sich deshalb am Eingang von einigen renommierten britischen Golfplätzen der „unerhörte“ Hinweis: „No dogs, no ladies!“.

Eine Übersetzung ins Deutsche ist wohl überflüssig und wird dem Schreiber dieser Zeilen zudem von der ihm angeborenen Höflichkeit und Zurückhaltung untersagt!

Fazit:

Schlussendlich ist also festzustellen: Golf ist mit nur ganz wenigen Einschränkungen der ideale „Sport“ für einen Beamten. Und wäre das nicht auch eine Idee für ein Weihnachtsgeschenk?


Frohe Weihnachten und ein Glückliches und vor allem auch Gesundes Neues Jahr wünscht Ihnen allen,

Ihr

Dr. Maximilian Baßlsperger


1 Siehe dazu auch den Beitrag: Schulleiter spielt Golf – hohe Geldbuße angemessen?
2 Lesen Sie dazu den Beitrag: Uli Hoeneß: „Verbrecher“? und Präsident

Lesen Sie zum Weihnachtsfest auch die Beiträge mit dem Titel:


Anhang:

Für meine lieben und hochgeschätzten Lektorinnen Frau Claudia Luz und Frau Ursula Kasper-Lehmann:

Als am 11.9.2009 der erste Artikel dieser Reihe zum Beamtenrecht erschienen ist, hatten weder meine damalige Lektorin, Frau Claudia Luz, noch ich die Vorstellung, dass mit dem heutigen Tag bereits der 500. Beitrag hier bei rehm-verlag.de erscheinen würde. Ich danke Ihnen, liebe Frau Luz als meine „ehemalige“ und Ihnen, liebe Frau Kasper-Lehmann als meine „gegenwärtige“ Lektorin für die stets gewährleistete Unterstützung, die kritische Verfolgung meiner Ausführungen und die zahlreichen Ausbesserungen meiner vielen Flüchtigkeitsfehler!

Der nächste Beitrag in dieser Reihe erscheint nach den Weihnachtsferien am 18.1.2021 mit dem Titel: „Bayerische Minister als skandalöse Dienstvorgesetzte.“

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7 Kommentare zu diesem Beitrag
kommentiert am 14.01.2021 um 09:54:
Liebe (r) AG: 1. Es handelt sich doch ganz offensichtlich um einen - für mich herrlichen - satirischen Beitrag. 2. Selbst wenn Sie diesen als wohl eine (r) von ganz wenigen Lesern nicht als solchen verstanden haben sollten, so müssten Sie wenigstens sehen, dass der Genderismus mittlerweile geradezu unglaubliche Auswüchse mit sich bringt, wie Sie etwa in dem Beitrag dieser Blogreihe mit dem Titel "Geschlechtergerechte Verwaltungssprache oder reiner Wahnsinn" nachlesen können - so meine jedenfalls auch ich als Beamtin!
kommentiert am 13.01.2021 um 14:46:
Das Lachen bleibt mir im Halse stecken bei vermeintlich satirischen Formulierungen wie "Für weibliche Beamte, die sich dem „Genderismus“ verschrieben haben – die also eine vermeintliche Schlechterstellung der Frau in unserer Gesellschaft bekämpfen und eine Gleichstellung der Geschlechter in allen Lebensbereichen erstreiten wollen". Möglicherweise hat der Autor übersehen, dass der Rehm Verlag nicht nur seinen diskriminierenden Text veröffentlicht, sondern auch Information zum Gleichstellungs- und Gleichbehandlungsrecht, die er sich zu Gemüte führen könnte. Dass der Autor unfreiwillig lustig ist, hat er bereits bestens unter Beweis gestellt - dennoch bleibt folgender Satz wahr: Schuster bleib bei deinen Leisten.
kommentiert am 29.12.2020 um 09:33:
Werte/r M.B.! Vielen Dank für Ihren satirisch sehr gelungenen Kommentar. In dem von mir im Blog angegebenen früheren Fall handelte es sich tatsächlich um einen Schulleiter. Allerdings ist mir aus meiner "Vorhochschulzeit" tatsächlich der Fall eines bei einer bayer. Mittelbehörde beschäftigten Regierungsdirektors bekannt, der wegen einer Veröffentlichung zu seinem Golfsieg disziplinarrechtlich belangt wurde! Pech oder IQ - Defizit, das war da sie Frage?!?!?!
kommentiert am 28.12.2020 um 20:35:
Werter Herr Dr. Baßlsperger, war es denn wirklich ein Regierungsdirektor, der seinerzeit während der Dienstzeit Golf spielte und hierfür disziplinarrechtlich belangt wurde? Ich meine eher, es war ein Grundschulrektor. Ein derartiger Fauxpas würde jedenfalls viel besser zu einem Vertreter der bekanntlich eher freizeitorientierten Schulbeamten passen - und auch die mangelhaften Dienstrechtskenntnisse dieses Golf-Pros bringe ich viel besser mit einem Pädagogen denn mit einem höheren Staatsbeamten A15 in Einklang.
kommentiert am 22.12.2020 um 19:12:
Für mich als Beamtin der 3. QE (gehobener Dienst) war der Abschnitt mit dem Regierungsdirektor köstlich. Danke für diesen herrlichen Blog, ich werde ihn den Kollegen weitergeben und auch die werden sich bestens amüsieren, auch wenn sie nicht selbst Golfer sind. A. Berger
kommentiert am 22.12.2020 um 13:58:
Als junger Beamter, der sich pandemiebedingt statt Sommerurlaub die Platzreife geleistet hat, kann ich Ihren Ausführungen hundertprozentig zustimmen! Ihnen weiterhin ein gutes Spiel, eine frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2021!
kommentiert am 22.12.2020 um 11:41:
Als "Beamtengolfer" kann ich nur bestätigen: Da ist viel Wahres dran! Auch Ihnen ein Frohes Weihnachtsfest und vielen Dank für die tollen Beiträge 2020!
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